Brakes, Give Blood

a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z #


(Rough Trade, 2005)
Rating: 9.2/10

1. Ring a Ding Ding
2. NY Pie
3. The Most Fun
4. Head About Your Band
5. What’s In It for Me?
6. You’ll Always Have a Place to Stay
7. Cheney
8. I Can’t Stand To Stand Beside You
9. Pick Up The Phone
10. You’re So Pretty
11. Jackson
12. All Night Disco Party
13. Hi How Are You
14. Comma Comma Comma Full Stop
15. Sometimes Always
16. Fell In Love With A Girl

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Translated 14-11-2005
by Gabi@CH

Vergesst all die Teambuilding-Events, die Wellness-Wochenenden, die Yogastunden oder die Körnchenpicker-Kuren. Wer jede Faser seines Körpers wieder mal richtig spüren möchte, seinen Poren eine Extraportion Sauerstoff zukommen lassen will oder dringend einen Adrenalinschub benötigt, der wird mit den 28 Minuten Songs auf Give Blood von den Brakes bestens bedient. Diese Übung gibt einem so viel Energie und Lebenslust, dass man die dummen Sprüche der lieben Arbeitskollegen wieder eine Woche lang problemlos aushält.

Brakes ist das Hobby von Eamon Hamilton von British Sea Power. Zusammen mit den Brüdern Tom und Alex White von Electric Soft Parade und mit Marc Beatty von Tenderfoot legt er auf Give Blood so richtig los. Letztes Jahr liessen The Shins mit Chutes too narrow zu Hause die Sonne scheinen. Dieses Jahr sinds die Brakes, die die langen Wintertage noch etwas hinauszögern. Musikalisch geht dieser Vergleich jedoch nicht wirklich auf. Wenn The Shins ein herziges Schosshündchen sind, dann kann man die Brakes wohl eher mit einem Pitbullterrier vergleichen, der mit einem fiesen Grinsen seine Beute verschlingt.

Die Engländer warten auf dieser Platte mit einem Stilmix auf, den man noch selten gehört hat. In kurzer Zeit passieren in 16 Stücken Punkrock, Country, Pop, Americana und Disco Revue. Das Album - aufgenommen in nur fünf Tagen - klingt mal giftig und bissig, dann wieder weich und süss und fährt total in die Knochen. Auch wenn es der Name der Band nicht unbedingt vermuten lässt, geht auf dem Album die Post völlig ab. Die Brakes nehmen einen mit ihrem verblüffenden Enthusiasmus und ihrer zügellosen Freude an der Musik mit auf eine schwindelerregende Achterbahnfahrt.

Genau wie Guided by Voices haben die Brakes ein Flair für kurze, aber prägnante Stücke. Einige dauern kaum ein paar Sekunden, keines ist länger als 3 ½ Minuten. Das Verhältnis von Qualität zu Quantität geht hier zweifelsohne auf. Wer schon einmal in die dritte Ausgabe unseres THS hineingehört hat (Stück Nummer 4: Heard about your band) , weiss das übrigens schon. Auf Give Blood schalten die Brakes noch einen Gang höher. Der aufpeitschende Rock von Ring a ding ding oder das wirbelnde What's in it for me? haben einen nach eineinhalb Minuten fest im Griff, und beim Country-Ohrwurm NY Pie schwingen die Hüften automatisch schon nach wenigen Sekunden mit (für Personen mit einer Hüftprothese: siehe Beipackzettel!).

In mehr oder weniger allen Stücken hört man Echos von anderen Bands, so zum Beispiel von den White Stripes, den Sex Pistols ( Pick up the Phone ), den Pixies (Hamilton singt mit demselben hohen und sexy Stimmchen wie Frank Black), Girls against Boys ( I can't stand to stand beside you ) und sogar von den Scissor Sisters (in der eingängigen Single All night disco party ). Seltsamerweise fehlt es den Brakes aber dennoch nicht an einer eigenen Identität. Das wiederum hängt mit dem urbritischen Humor zusammen, den sie immer wieder einsetzen. Das gibt dem Album noch das gewisse Extra und macht das Ganze noch etwas zugänglicher.

Einfach zum Totlachen ist Cheney : 10 Sekunden Lärm und dazu der Text “Stop being such a Dick”. Comma comma full stop (6 Sekunden) dauert dann wiederum gerade lange genug, um den Titel rauszuschreien. Auch die Texte sind komplett verrückt. Was ist von“Heard about Your band/I couldn't help it you were screaming in my ear” ( Heard about your band ) zu halten oder vom Refrain aus All night disco party (“east west/north south/left right/croque monsieur, croque madame”)? Diese Kombination aus Humor und fantastischen Stücken macht das Album unwiderstehlich.

Man möchte sich beinahe fragen, ob das Ganze einfach nur ein Spass ist oder nicht. Sind die zwar fantastischen Pop- und Countrysongs ernst gemeint oder einfach ein Scherz? Die Antwort auf diese Frage lassen wir mal offen. Tatsache ist, dass You're so pretty mit einem der herzerwärmensten Intros von 2005 beginnt und dass Jackson eine der swingensten Countrynummern ist, die ich in den letzten Jahren gehört habe. Dass das ernste und beschauliche Liebeslied Fell in love with a girl das Album abschliesst, macht diese Frage nur noch dringlicher.

Genug geschwatzt jetzt, sonst wird diese Besprechung noch länger als das Album. Und das wäre schade um Eure Zeit. Ab also in den nächsten guten Plattenladen und die Platte gekauft – damit Ihr feststellen könnt, dass wir wieder einmal Recht hatten.